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Teilen oder Klauen?!

Immaterielle Arbeit zwischen Enteignung und Aneignung


Mit Valie Djordjevic, Redakteurin und Autorin bei iRights.info (Webportal zum Thema Urheberrecht in der digitalen Welt)

und Prof. Ralf Urban Bühler (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig)

 

Moderation: Jörg Braun, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Dr. Petra Sitte (Linksfraktion im Bundestag), dort mit dem Thema Urheberrecht befasst.

Das Urheberrecht gründet auf der Idee eines „geistigen Eigentums.“ Dieses soll per Gesetz vor unbefugten Gebrauch geschützt werden. Damit es vermarktet werden kann, aber auch, um es vor ideellem Missbrauch zu schützen. Gleichzeitig aber lebt kreatives Schaffen von der Verteilung und der (zitierenden) Rezeption. Auch gilt das Urheberrecht für die unterschiedlichsten Formen immaterieller Arbeit.

Die Frage der Abgrenzung zwischen Enteignung und Aneignung wird heute nicht nur durch neue digitale Möglichkeiten des (Ver-)Teilens und Bearbeitens immer komplexer, sie braucht vielleicht auch je nach Kunstform spezielle Antworten. Einerseits ist das Teilen und Aneignen eine notwendige Bedingung, zum Beispiel wenn eigene Werke in die Öffentlichkeit und nicht nur im Rahmen von Ausstellungen dargestellt werden sollen oder bei auch in der Medienkunst populären Techniken wie Sampling, Remix oder Mash-Ups genauso wie bei der Nutzung von Open-Source-Software für die eigene kreative Arbeit. Andererseits steht zur Debatte, wie und ob die Verbreitung der eigenen Werke auskömmliche Einkommen generieren kann oder Problemen wie dem „Ideenklau“ begegnet werden kann.

In diesem Spannungsfeld sind „klassische“ und gesetzliche Urheberrechtsregelungen oft nicht weitreichend und aktuell. Sie hinterlassen Graubereiche, die einerseits auch für künstlerische Freiheiten produktiv sein können, anderseits Unsicherheiten hervorrufen: nicht zuletzt ökonomische, aber auch vor dem Hintergrund einer wachsenden Abmahnkultur oder eines nicht immer nur ideellen und wachsenden künstlerischen Wettbewerbs um Projekte und Zugänge. Gleichzeitig wollen viele Menschen, insbesondere für immaterielle Werke, wenigstens immaterielle „credits“ bekommen - und das trotz, wegen oder jenseits der individuellen Prekarität.

 

Die Diskussion findet im Rahmen des Medienkunstfestivals „MIMA – More international media art“ Leipzig (http://www.mima-leipzig.de) statt und ist eine Kooperationsveranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen und der Galerie KUB.

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